Invasor II

Invasor II, der bis heute erfolgreichste PRE aller Zeiten, hat eine bisher unerreichte Karriere hingelegt und bewiesen, was ein PRE im internationalen Sport leisten kann..
Sicherlich gibt es heute, über eine Dekade später, bewegungsstärkere Pferde, Pferde mit besseren Reitpferdepoints, brillantere Pferde. Invasor war sehr mächtig, sehr tief, hatte aus heutiger Sicht evtl. nicht die Schulterfreiheit, die man sich heute wünscht.

Allerdings hat Invasor, neben seiner Brillanz in den versammelten Lektionen – man denke nur an die Note 10 für seine Piaffen – etwas geleistet, was nur ganz wenige Pferde weltweit überhaupt geschafft haben. Ein ganzes Jahrzehnt in internationalen Vierecken und dabei beständig unter den besten 10, inkl. mehreren Siegen der spanischen Meisterschaft, einer olympischen Silbermedaille und Bronze bei den Weltreiterspielen. Das allein sagt viel über die Qualität eines Pferdes, vor allem über seine Substanz. So eine Belastung hält nicht jeder durch, und Invasor war auch noch lange nach seiner Verabschiedung aus dem Sport auf hohem Niveau aktiv. So etwas geht überhaupt nur mit gesunden Beinen und gutem Fundament.

Auch wenn die Erfolge dieses Hengstes nun schon einige Zeit zurückliegen, wurden sie von keinem anderen iberischen Pferd bisher wiederholt, geschweige denn übertroffen. Also drängt sich die Frage auf: Kann diese Linie nicht auch heute noch etwas beisteuern?

Analysieren wir:

Invasor II war ein Sohn des Miura-Hengstes Panadero VIII. Dieser wiederum ein Sohn von Lebrijano III und Panadera V. Panadero VIII war ein weit ausgebildetes Dressurpferd (übrigens bei Kottas in Wien ausgebildet) und zudem mehrfacher Zuchtschausieger. Trotzdem hatten nur wenige Züchter das Auge, seine Qualität zu entdecken und er zeugte nur 26 Fohlen, bei Miura selbst, bei Los Alburejos und bei Señorío de Bariain. Und unter diesen 26 Nachkommen gab es gleich mehrere Spitzenpferde (man kann sich wirklich überlegen, wo der PRE heute wäre, wenn er mehr gedeckt hätte, aber er hatte zum Glück ein para Jahre später einen Vollbruder, der sich mehr vererben durfte). Unter seinen Söhnen gibt es neben Invasor II dessen Brüder Flamenco XX, Embrujo VI und Empaque, alle auf Los Alburejos geboren, dem Gestüt von Domecq, und aus sehr eng miteinander verwandten Müttern.

Embroque wurde nach Portugal verkauft, an Veiga. Dort zeugte dieser PRE-Hengst eine Reihe von Hengsten, und viele der heutigen Hengste in Veigas Lusitanozucht sind Nachkommen von Embroque. Embroque war ein Sohn von Panadero VIII und Melodia 1969, der Großmutter mütterlicherseits von Invasor. Ein weiterer Spitzenhengst kam als Sohn von Panadero VIII bei Bariain zur Welt: Gaucho III, der in den USA während seiner aktiven Zeit die Liste der Dressurvererber anführte – quer durch alle Rassen.

Fotos:

 

oben links: Invasor II                                  oben rechts: Flamenco XX

  unten links: Embroque

Lebrijano III

Man kann nicht über Invasor II oder seinen Vater Panadero III sprechen, ohne den YM-Hengst Lebrijano zu erwähnen. Von Lebrijano III (der übrigens genau vor 50 Jahren geboren wurde, er hätte tatsächlich eine Hommage verdient als einer der wichtigsten Vererber aller Zeiten für den PRE – und auch den Lusitano), der Vater von Panadero VIII weiß man heute, 5 Jahrzehnte nach seiner Geburt, ziemlich gut, mit welchen Linien er gut funktioniert hat und mit welchen weniger gut.

Nachkommen von Lebrijano III

Die besten Nachkommen, die Lebrijano III hinterlassen hat, war zusammen mit Stuten aus alten, klassisch-rustikalen Linien, Arbeitslinien in alten Gestüten,
Neben Domecq nutzen Lebrijano:
Miura:
Panadero VIII und
sein Vollbruder, der Calificadohengst Panadero XIV, der mehr Nachkommen hinterlassen hat, auch in seinem Heimatgestüt, darunter sehr erfolgreiche Dressurpferde, calificadogekörte Hengste und Väter bzw. Mütter von Dressurpferden.
Bohorquez:
Utrerano VII, der Vater von Fuego de Cardenas oder auch weiteren Dressurpferdevererbern mit hervorragenden und erfolgreichen Nachkommen wie Deseado CVII,
Rondeño IX, zweimaliger spanischer Champion, Calificado und Vater von 209 Nachkommen in wichtigen Gestüten mit unzähligen Erfolgen.

Zudem hinterließ Lebrijano eine Vielzahl an hervorragenden Töchtern, sowohl bei Miura als auch bei Bohorquez, sowie auch in der YM selbst und in anderen Gestüten, wie etwa bei Escalera, die wiederum Stammstuten von wertvollen Stutenlinien in diesen und anderen Gestüten wurden.
Die männlichen Nachkommen von Lebrijano II bei YM und Escalera lasse ich hier mal mehr oder weniger aus, denn es geht um Invasor und das wurde zu weit führen, sie sind auch ein anderer Fall als die oben erwähnten.

Das bedeutet also: Drei der alten, klassischen Gestüte x Lebrijano (wenn man Veiga dazuzählen möchte, vier, aber das nützt der PRE-Zucht wenig), bringen einen derart hohen Anteil an Spitzenpferden hervor?
Braucht man noch mehr Belege dafür, dass diese Blutkombination funktioniert?
Die Widerstandsfähigkeit, das klassische Gebäude, das Fundament, der Typ und das Temperament dieser alten Linien, gepaart mit dem Besten, was ein Hengst wie Lebrijano III vererben konnte, seine Bewegungsqualität – und wie das funktionierte. Und es funktioniert bis heute, wenn man sich die direkten Nachkommen aus diesen Linien anschaut, die heute aktiv sind.

Rondeño und die Panaderos, und auch Utrerano und einige seiner Söhne, müssen ihre Vererberqualität nicht mehr beweisen. Es gibt genügend Spitzennachkommen, die für sich sprechen.

Und was ist mit Invasor II?

Unter den 31 Fohlen von Invasor gibt es nur 6 gekörte Söhne und ein paar Töchter. Die meisten davon entweder von Álvaro Domecq oder von der Real Escuela gezogen, weswegen sie dieselben Blutlinien auch wieder von der Mutterseite wiederholen. Von diesen direkten Nachkommen wird nur die Hälfte im Deckeinsatz. Bisher kann zwar bisher kein Nachkomme an die Erfolge von Invasor anknüpfen – aber auch dazu gehört ja immer mehr als nur ein gutes Pferd, sondern auch ein Besitzer, der willens und in der Lage ist, eine internationale Sportkarriere zu fördern. Und das ist gerade in Spanien so eine Sache.
Und sowieso muss man ein bisschen genauer hingucken.
Die Stuten von Los Alburejos – das ist zweifelsohne eine der ursprünglichsten und rustikalsten Linien im PRE. Mit fantastischen Hufen, tollen Sehnen und einem Fundament, das hohe Belastungen aushält. Mit einem gemäßigten Temperament.

Foto: Rociana III, Mutter von Empaque, Großmutter von Flamenco XX, Schwester von Melodia 1969, der Mutter von Remate und Enbroque und Großmutter von Invasor II.


Auf lokalem und nationalem Niveau gibt es durchaus erfolgreiche Nachkommen, auch im Dressurviereck. Andere stehen im Deckeinsatz und man sieht an ihren Nachkommen sofort, wo sie herkommen.
Es ist sicher eine spezielle Linie unter den PRE. Eine, die nicht viele andere Züchter nutzen, die ziemlich in sich geschlossen ist. Und die aber gerade deshalb so interessant ist und Pferde hervorbringt, die von Reitern und Ausbildern in ganz Europa gekauft werden, die klassische Dressurinstitute betreiben. Denn die Rittigkeit, die Belastbarkeit, das Gefallenwollen, alles gesuchte Eigenschaften des spanischen Pferdes, sind in dieser Linie vereint wie in kaum einer anderen.

Alles in allem eine Linie, die dem modernen PRE noch einiges zu bieten hat.

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